Die ultimative Bauanleitung für Pokertische

30.01.2014 | MAGAZIN

Die ultimative Bauanleitung für Pokertische

30.01.2014 | MAGAZIN

Wer es sich leicht machen will, geht einfach ins Internet und sucht sich eine Pokerrunde nach seinem Geschmack. Wer jedoch die Atmosphäre schätzt und sich nur auf sich selbst verlassen will, der legt sich einen Pokertisch zu, idealerweise Marke Eigenbau. Das steigert die Vorfreude ungemein und schützt vor Überraschungen, kostet allerdings ein wenig Mühe und bedeutet mitunter eine Menge Aufwand. Dafür winkt als Lohn ein Unikat, an dem man sich ganz und gar verwurzelt fühlen kann, weil es aus eigener Kraft entstanden ist.

 

Pokerfaces brauchen eine stabile Grundlage

Einmal angenommen, es sollten bis zu zehn undurchdringliche Mienen daran Platz finden können, dann liegen die Einstiegsbedingungen klar auf der Hand. Für den Anfang reicht eine anpassungsfähige Platte aus Holz, die gut zwei Meter lang ist und knapp einen Meter breit. Drei Quadratmeter Kunstleder reichen dafür aus, wenn der Rand sich auf zehn cm Breite beschränkt und mit drei cm starkem Kunststoff unterfüttert wird. Auch für das Tuch empfiehlt sich eine leichte Polsterung, es selbst wird nach speziellen Vorgaben ausgerichtet bestellt. Jetzt fehlt nur noch die Aussparung zur Aufbewahrung der Chips und der neue Pokertisch ist so gut wie fertig konzipiert.
Kein Schnickschnack

Wahre Spielernaturen legen Wert auf wenig Schnickschnack, Aschenbecher und Halterungen für Getränke haben hier nichts zu suchen. Das hält zudem den Etat in Grenzen und erleichtert die Konzentration auf das Wesentliche. Unverzichtbar ist eine ausreichende Beleuchtung für den Fall, dass ringsum trübe Verhältnisse herrschen sollten. An Werkzeug braucht es nicht mehr als das, was jeder gute Heimwerker im Schrank hat. Ein paar Nägel, etwas Leim – schon kann das Spiel beginnen. Klar muss man sich darüber sein, dass es ernst wird, sobald die Eröffnungsrunde eingeläutet ist. Von heute auf morgen wird das Prachtstück nicht zu bewältigen sein, sorgfältige Planung bestimmt die Strategie.

 

Mit Disziplin und Augenmaß

Die Umsetzung des Baus eines Pokertisches erfordert Disziplin und Augenmaß. Um den Pokertisch im Rohbau zu erstellen, sollte man unbedingt auf detaillierte Zeichnungen, präzises Arbeiten und schlichte Eleganz achten. Ein Zirkel hilft enorm dabei, vorgesehene Rundungen schwungvoll anzubringen. Gut ist es, wenn die Säge in der Tischmitte fixiert werden kann, um keinerlei Ausflüchte gelten zu lassen oder Konzessionen an die Exaktheit der Ausführung zuzulassen. Nehmen Sie die Handsäge zu Hilfe, wenn es um die Feinheiten geht.

Da, wo das Geld sitzt, ist eine besonders sanfte Rundung vonnöten. Hierbei kann eine gut durchgebogene Holzleiste von großem Nutzen sein. Mit ihrer Hilfe sollten entsprechende Ausbuchtungen angemessen berücksichtigt werden, vor allem aber die ausgewogene Symmetrie gewahrt sein. Das verschafft den Überblick und trägt zur Entspannung bei.

 

Aus Einzelteilen ein großes Ganzes

Nun geht es daran, die Armstützen passend zuzuschneiden. Es empfiehlt sich, gebogene und gerade Teile getrennt anzufertigen, um sie daraufhin umso leichter anpassen zu können. Fünf Stücke reichen dafür aus.

Es sind, die beiden Rundungen an den Außenkanten, eine lange und zwei kurze Geraden.

Es versteht sich von selbst, dass sie allesamt die gleiche Breite aufweisen sollten. Kleinere Ungenauigkeiten, die trotz allem entstehen können, werden vor der Montage mit filigraner Kleinarbeit ausgebessert. Entscheidend ist der bündige Sitz, die Fixierung erleichtert präzises Vorbohren.

 

Volle Konzentration

Wenn Sie so weit gekommen sind, nimmt die nächste Pokerrunde bereits Gestalt an und Sie können in Ruhe überlegen, wen Sie dazu einladen möchten. Zunächst aber gilt es, die Spielfläche in ihrer ganzen Formvollendung erstrahlen zu lassen. Dazu greifen Sie am besten auf Vorgefertigtes zurück, das lediglich fein säuberlich angetackert werden muss. Ein legendäres Tuch aus eigener Inspiration selbst zusammenzustricken, wäre wohl zu viel des Guten. Sparen Sie Ihre Nerven lieber für die kommende Gelegenheit zur vollsten Konzentration.

 

Penibel sein in den Details

Das Pokertuch bedarf der optimalen Spannung. Zweckmäßigerweise geht man so vor, Tuch und Unterfütterung gleichzeitig vorzunehmen, auf einer Seite zu befestigen und gegenüberliegend für den optimalen Ausgleich zu sorgen. Dabei können ein geschicktes Händchen und auch etwas Übung gar nicht schaden. Was dem perfekten Pokertisch nun noch fehlt, ist nichts weiter als die passende Umrandung. Sie soll so weich sein, wie man es für nötig hält, muss aber auch genügend Halt bieten, vor allem aber der Belastung standhalten können. Zu diesem Zweck wird der ausgewählte Kunststoff auf der gesamten Tischplatte, besonders an den Schnittstellen, ordentlich verklebt. Auch das darüber zu spannende Leder kann festgetackert werden, je öfter, desto besser und immer schön in möglichst regelmäßigen Abständen. Dann steht der finalen Endmontage nichts weiter im Weg.

 

Keine große Sache

Auf der Kostenseite hält sich das gesamte Projekt durchaus in Grenzen, wenn man auf echtes Leder und schmückende Details verzichtet. Für die Holzarbeiten können jeweils knapp 100 Euro veranschlagt werden, wenn man es bei einer Stärke von knapp 2 cm belässt und die Einfassung wie auch die Platte getrennt berechnet. Das bisschen Leder ist schon für 20 – 30 EUR zu haben, die Polsterung für etwa 10 EUR.

Am stärksten in der gesamten Kalkulation schlägt das kostbare Tuch zu Buche, wobei keinerlei Einsparungen geduldet werden können. Die Polsterung des Tuchs kostet nicht mehr als die der Randverstärkung, ein brauchbares Behältnis zur Lagerung der Chips ist mit schlappen 30 Euro bereits bezahlt. Alles in allem sind Sie mit nicht einmal 400 Euro dabei – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was man in einem Pokerspiel verlieren kann.

 

Die Maßstäbe wahren

Wer selbst Hand anlegt, läuft jedoch weniger Gefahr, das Gefühl für die Wahrung der Maßstäbe aus den Augen zu verlieren. Puristen verzichten sogar auf die Gestaltung eines faszinierenden Designs nach eigenen Vorstellungen. Ob das die Spielfreude aber fördert? Es trägt eher dazu bei, der Verbissenheit Vorschub zu leisten, und damit gerät man leicht auf den falschen Weg. Beim Pokern geht es darum, auf dem Boden zu bleiben. Hat die Holzplatte erst ihren festen Stand, gesellen sich Futter und Bespannung magisch angezogen wie von selbst hinzu. Die erforderlichen handwerklichen Fähigkeiten zeichnen den besonnenen Pokerspieler aus, er wird sich von einer widerspenstigen Heftklemme nicht aus der Ruhe bringen lassen. Gehen Sie es an, es lohnt sich.

 

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